Weilerbach



Die Weilerbacher Bürgerinnen und Bürger, die das 60. Lebensjahr vollendet haben, folgen gerne der Einladung ihrer Verwaltung zum Seniorennachmittag ins Bürgerhaus, dürfen sie sich doch auf einen vergnüglichen, unterhaltsamen Nachmittag mit Speis und Trank, Musik, Gesang und erbaulichen Worten freuen.

Aufmerksam bedient von den Landfrauen und den kirchlichen Frauengemeinschaften, konnten sie sich ganz auf das Programm konzentrieren, das vom Sängerbund Weilerbach, Hermann Denzer sowie Gabi Braun und Konrad Eisenhauer gestaltet wurde.

Immer wieder griff Hermann Denzer in die Saiten seiner Zither, um die alten Volkslieder und Schlager anzustimmen und Erinnerungen zu wecken. Denzer ließ die Jugendzeit vorüberrauschen und den Pfälzer Wind wehen, sang vom einsamen Soldaten am Wolgastrand und vom alten Holzmichel, der immer noch lebt, und freute sich singend: "Die Getränke sind frei." Die Auftritte des Sängerbundes leitete Pfarrerin Dorothee Wüst. Die Geistliche schlug in ihrer Ansprache zum Thema Zeit nachdenkliche Töne an. Ihre Geschichte von einer 25. Tagesstunde hatte bei allem Humor eine bedenkenswerte Botschaft. Im Himmel machte man sich Gedanken, warum keine Gebete mehr eintreffen. Die Ermittlungen der Engel: Die Menschen haben keine Zeit. Kurzerhand erweiterte Gottvater den Tag um eine Stunde. Ergebnis: Im Himmel kommen trotzdem nicht mehr Gebete an als vorher. Alle reden sich raus: die Geschäftswelt wegen zusätzlicher Kosten, die Gewerkschaften wegen längst überfälliger Forderungen, die Intellektuellen und sogar die Pfarrer. Erkenntnis: Es gibt nicht zu wenig Zeit. Entscheidend ist, was die Menschen mit ihrer Zeit machen.

Gabi Braun brachte mit ihren Gedanken über das Älterwerden ihr Publikum zum Schmunzeln. Mit einer gehörigen Portion Humor nahm sie das böse Ungeziefer Kalorien auf die Schippe, schwadronierte über Probleme mit der Garderobe und klagte, dass die Spiegel auch nicht mehr das seien, was sie zu ihrer Jugendzeit gewesen waren. Gemeinsam mit Konrad Eisenhauer spielte sie häusliche Szenen eines alten Ehepaares. Der Dialog am morgendlichen Frühstückstisch könnte durchaus dem tatsächlichen Leben abgelauscht sein. Auf der Suche nach gemeinsamen Interessen mit ihrem Ehegespons verzweifelte Emma fast. Übereinstimmung? Fehlanzeige. Weder sportlich noch kulturell. Erst als Emma die Scheidung ins Auge fasste, fand sie die Zustimmung von ihrem Otto. In der Zahnarztpraxis hatte Eisenhauer eine äußerst rabiate Methode, die Patientin vor ihm zu vergraulen. Ortsbürgermeister Horst Bonhagen plauderte über seinen vergeblichen Vorsatz, ein Gedicht zu schreiben. Das wäre so schön und originell geworden. Er hätte voll Inbrunst über Glauben, Liebe und den Sinn des Lebens philosophiert. Doch leider sei daraus nichts geworden.

Ein Blumenpräsent überreichte Bonhagen den anwesenden ältesten Bürgern. Nicht zum ersten Mal waren dies Herta Müller und Albert Sadowski, beide 91 Jahre alt. Bildlegende (von links): Der Sängerbund Weilerbach. - Herta Müller und Albert Sadowski mit Ortsbürgermeister Horst Bonhagen (Mitte). - An der Zither unterhielt Hermann Denzer. Konrad Eisenhauer und Gabi Braun freuen sich, wenigsten in Sachen Scheidung einer Meinung zu sein.

Text/Fotos: bm